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Neapel und Umgebung

Die Stadt Neapolis wurde im VI. Jhrh. v. C. von den Bewohnern der nahegelegenen griechischen Stadt Cumae (Kyme) gegründet. Sie erhielt den Namen „Neapolis“ (neue Stadt), um sie von der „Paleopolis“ (alte Stadt), also der bereits vorhandenen Ansiedelung, zu unterscheiden, welche bereits im VIII. Jhrh. v. C. gegründet worden war. Sie umfasste weitgehend den Bereich zwischen Monte Echia (auf dem später das Castel dell’Ovo errichtet wurde) und dem Hügel des Pizzofalcone. Diese „Neue Stadt“ griechischer Gründung zeichnete sich – wie übrigens die meisten griechischen Städte – durch ihre strenges, nahezu reißbrettartiges Straßenmuster aus: Es gab drei wichtige Straßen in Ost-West-Richtung, „Decumani“ genannt, die sich mit zahlreichen „Cardi“ kreuzten. Ein „Cardus“ ist dabei eine kleinere, engere Straße, die in Nord-Süd-Richtung verläuft.

Es kam in den vielen Jahrhunderten, die auf die griechische Blütezeit folgten, nicht nur zur Erweiterungen der alten Stadt, wie etwa im Mittelalter oder zu Zeit unter spanischer Herrschaft, sondern auch zu Umbauten bzw. regelrechten Überbauungen der historischen Altstadt. Dennoch ist bis heute das ursprüngliche griechische Muster der urbanen Ansiedelung gut erkennbar. Die Altstadt von Neapel kann weltweit als einer der größten, allgemein zugänglichen historischen Stadtkerne angesehen werden und stellt einen solchen künstlerischen und kulturellen Wert dar, dass die UNESCO Neapels Altstadt ohne Zögern den Rang eines Weltkulturerbes verliehen hat. Dieser Stadtkern wird dabei von dem historischen Decumanus Superior, (die heutigen Straßenabschnitte Via Sapienza, Via Pisanelli, Via Anticaglia), dem Decumanos maior (Via Tribunali) und dem Decumanus Inferior (Via B. Croce, Via S. Biagio dei Librai, Spaccanapoli) bestimmt, die ihrerseits von den bereits erwähnten „Cardi“ gekreuzt werden. Und genau hier spielt sich jenes einzigartige, quirlige Leben der neapolitanischen Altstadt inmitten kulturgeschichtlich höchst bedeutender Stätten ab.

Neapolis war gewiß keine “kriegerische” Stadt, mußte sich jedoch gegen zwei ziemlich unangenehme Nachbarn verteidigen. Dies waren zunächst die Sanniter, die bereits 423 v. C. Cumae erobert und die Bewohner in die Flucht geschlagen hatten. Und dann kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Römern, die die feste Absicht hatten, ihr Reich nach Süden hin zu erweitern. Dabei begründeten sich die ersten Kontakte mit den Bewohnern der Hauptstadt des römischen Weltreichs auf Respekt und Freundschaft; man begann, wirtschaftliche Beziehungen aufzunehmen und miteinander Handel zu treiben. Unter dem Druck der anderen Kolonien kam Neapolis allerdings bald in die unangenehme Lage, besser eine Kooperation mit Rom zu verweigern. Diese Konstellation führte 326 v. C. zu einem bewaffneten Konflikt, der für den römischen Konsul siegreich ausging, obwohl sich die Parthenopäer mit den Sannitern und Nolanern verbündet hatten. Der Friedensschluss war jedoch alles andere als unehrenhaft: Es wurde eine Art Konföderation mit Rom geschlossen, wobei Neapolis seine eigenen Sonderrechte und Einrichtungen behalten durfte. In der Folgezeit erwies sich die Stadt Neapolis immer wieder als ein treuer Verbündeter des mächtig und mächtiger werdenden Roms. Für Rom war Neapolis im übrigen auch ein wichtiges Bindeglied zur griechischen Kultur und Zivilisation.

In der Stadt selbst und in ihrer Umgebung entdeckten die römischen Patrizier die besten Plätze für ihre bevorzugten Sommerresidenzen und errichteten allenthalben längs der Küste des Golfes zwischen Puteoli (dem heutigen Pozzuoli) und Sorrentum luxuriöse Villen, wie etwa die Villen von Silla, Caligula, Nero, Cicero, Horaz, Scipio dem Afrikaner ... und nicht zu vergessen die weltberühmte Villa Iovis, die sich der römische Kaiser Tiberius auf der herrlichen Insel Capri erbauen lies.

Neapolis stellte für die Römer das Zentrum einer eigenständigen, bewundernswerten  Kultur dar, so etwas ein Stück Griechenland auf der italischen Halbinsel. Die Römer waren sich dessen wohl bewusst und vermieden es tunlichst, die Stadt zu schmähen oder zu unterdrücken, und zollten ihr vielmehr Respekt und Wertschätzung.

Im Mittelalter fiel Neapel dem Byzantinischen Reich zu, wurde dann unter der Führung seiner “Herzöge” selbständig, trieb gemeinsam mit den anderen Meerrepubliken entweder Handel mit den Muselmanen oder bekriegte sich mit ihnen. Später fiel die Stadt an die Staufer, dann an das Haus Anjou, später an die Aragnoeser. Es folgten die Wirren der Zeit Napoleons, dann gab es die kurze Zeit der Parthenopäischen Republik von 1799, und schließlich wurde nach Garibaldis Landung in Süden auch Neapel 1860 dem frisch gegründeten Königreich Italien zugeschlagen.

Trotz dieser langen und zum Teil schmerzlichen Geschichte der Stadt, trotzdem sich so viele Dynastien und Familien in der Herrschaft über die Stadt abwechselten, trotz zahlreicher Kriege, die die Stadt zerstören sollten und ebenso zahlreicher Kriege, bei denen die Stadt zurück erobert wurde ... die Altstadt mit ihren Decumani und Cardi hat sich bis heute erhalten. Sie hat die Wechselfälle der Historie erlebt, und sie gibt Zeugnis über reichlich 2500 Jahre bewegte Geschichte.