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Neapel und Umgebung

Wahrlich beeindruckend ist die Anzahl der Kirchen und Klöster, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Stadtgebiet erbaut wurden: Jede Glaubensgemeinschaft, jeder religiöse Orden, jeder Prinz und jedes Adelshaus wollte seine eigene Kirche – am liebsten mit angegliedertem Kreuzgang – haben, und man versuchte dabei, einander in Pracht und Glanz zu überbieten. Nach der Einigung Italiens ging der größte Teil der einst so zahlreichen Klöster in den Besitz des Staates über, der die Gebäude rein weltlichen Zwecken zuführte und sie zumeist als Schulen verwendete. Ein Teil der zahlreichen Gotteshäuser wurde entweiht; die Räumlichkeiten wurden sich selbst überlassen oder einfach abgerissen, und so gingen gewiss auch zahlreiche wertvolle Kunstschätze zu Grunde.

In Neapels Altstadt gibt es jedoch immer noch eine beachtliche Anzahl an Kirchen von hohem künstlerischem Range. Es mutet zumal Menschen aus dem Norden Europas befremdlich an, in welch geringem Abstand zueinander die Gotteshäuser vielfach errichtet wurden. In der wohl berühmtesten Straße, die die Altstadt in ihrer ganzen Länge durchzieht (und die in Neapel unter dem volkstümlichen Namen „Spaccanapoli“ bekannt ist), sind es mitunter nur wenige Meter von einer Kirche zur nächsten.

Unter den vielen bedeutenden Kirchen Neapels wollen wir nur ein paar wenige nennen, nämlich den Dom, Santa Chiara, San Domenico, San Lorenzo und die mit einer ungewöhnlichen Diamantquaderfassade gestaltete Kirche Gesù Nuovo. Neapel war bekanntlich über viele Jahrhunderte Hauptstadt eines Königreichs von großer Ausdehnung. Die Gotteshäuser, die ihren Ursprung größtenteils im Mittelalter hatten, wurden im Laufe der Jahrhunderte unter immer neuen Herren häufig restauriert und umgestaltet. So erfuhren auch der Dom, Santa Chiara, San Domenico und San Lorenzo im 18. und 19. Jahrhundert umfangreiche architektonische Eingriffe und Erweiterungen. Erst in jüngster Zeit wurde ihnen ein Gutteil ihres ursprünglichen Aussehens zurückgegeben.